Frühinstrumentalunterricht Gitarre in Großgruppen

Details zum Projekt

foto gitarrenklasse

Kurzbeschreibung

Seit dem Schuljahr 2004/05 werden an der MS Großostheim die Gitarrenanfänger in einer Klasse mit acht bis zwölf Kindern unterrichtet.

1. Technische Voraussetzungen

Unterricht
Die Schüler kommen zweimal pro Woche:
einmal mit Gitarre (und Eltern) zu einer 60 Minuteneinheit mit zwei Lehrkräften
und einmal ohne Gitarre zu einer 30 Minuteneinheit (Singstunde) mit einer Lehrkraft. (Gesamtdeputat 150 Min)

Schüler
Die Schüler sind zwischen 6 und 8 Jahren alt und besuchen die erste bis dritte Klasse der Grundschule.

Instrumente
In der Regel Mensur 44 oder 48cm
Wir verwenden Instrumente von pro Arte (44 cm) und Hopf (Junior I 44 cm).
Das Modell Hopf-Hellweg Pony (48 cm) hat sich infolge zu breiter Zargen bei kleinen Kindern als nicht geeignet herausgestellt.

Gitarrenhaltung
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die ergonomisch und praktisch sinnvollste Lösung die Haltung im Stehen mit Band und Hüftgurt ist. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Arbeiten von Jens Wagner (EGTA Dokumentation 1991, S. 118 ff, http://www.jenswagner.com/hbl.pdf). Die handelsüblichen Gitarrebänder mussten etwas verkürzt werden (Eltern), die Hüftgurte wurden extra hergestellt (breite Hosengummis mit Lederverstärkung)

Unterrichtsort
Der Unterricht findet im Konzertsaal der Musikschule statt.
Die Kinder stehen mit dem Rücken zu ihren Eltern, dem Lehrer zugewendet.
Die Kinder "vergessen", dass die Eltern mit anwesend sind.

Elternmitarbeit
Die Eltern werden zur Anwesenheit in der Montagsstunde gebeten.
Für manche Eltern läßt sich das über das ganze Schuljahr organisatorisch nicht durchhalten. Es kann zu Mischformen kommen, d.h. einige Eltern besuchen regelmäßig, andere 14-tägig den Unterricht; aber alle Eltern kommen zumindest am Ende der Stunde, um sich über den Stundenablauf zu informieren.

Elternarbeit
- Vorinformation am Ende des vorhergehenden Schuljahres.
- zusammenfassende Hinweise am Ende jeder Instrumentalstunde,
- Elternabend am Ende des 1. Halbjahres
- Elternbrief, in dem die bis dahin gelernten Tonkreise erläutert werden (Ende 1. Jahr).

2. Gliederung der Instrumentalstunde

- Stimmen: Kinder stehen mit ihrem Instrument in einer Reihe an;
Wochenübeplan quittieren (Stempel, Lob, Aufforderung);
evtl. Punkte (Griffbrettorientierung) kleben (Zeitbedarf etwa 5-7 Min.)
- Einsingen ohne Instrument: Stimme "aufschließen", Lied(er) singen (5-8 Min.)
- Übung für die rechte Hand, i.d.R. Wechselschlagübung im,ma (5-8 Min.) später auch für die linke Hand (diverse Brücken-Modelle)
- Hausaufgabenkontrolle, i.d.Regel Liedspiel im Standardablauf (3 mal spielen mit unterschiedl. Aktionen); Arrangement für 2 oder mehrere Gruppen; solistisches Spiel; Kreisspiel mit Instrument, Fingerspiele (10 - 20 Min.)
- neues Lied / neuer Lernschritt (10 Min.)
- Verabschiedung; Schlusswort (H.A. u.a.) an die Eltern (3 Min.)

3. Singstunde

Die 30 minütige Singstunde dient:
- zum Einstudieren des neuen Liedes
- zum Wiederholen der bekannten Lieder, ggfls. in Arrangements mit Stabspielen,
- zur spielerischen Vorbereitung von Bewegungsabläufen(l.Hd. auf r. U-arm vor der Brust, Wechselschlag auf Unterschenkel),
- zur Übung metrischer und rhythmischer Sicherheit,
- zur Erinnerung an das tägliche Üben.


4. Liedauswahl

Die Liedauswahl ist einerseits von den verschiedenen Tonkreisen, andererseits von den technischen Möglichkeiten auf dem Instrument bestimmt.
Länge und Texte orientieren sich an der Alterstufe.
Während des ersten Schuljahres werden insgesamt 34 Lieder unterrichtet. Sie bestehen aus 4 taktigen oder 8 taktigen Perioden, wodurch sie sich zum Auswendigspiel eignen.
Wir achten darauf, dass die Lieder zur Jahreszeit passen (Herbstlieder, Martinslied, Nikolauslied, Winterlieder, Faschingslied, Frühlingslieder).
Die Tonkreise des ersten Jahres sind:
so mi / so la / so la so mi / so mi do / do re mi / so mi do in Verbindung mit do re mi / do re mi fa / so, do re mi fa
Die Tonkreise werden mit bestimmten Griffbildern verbunden, die in verschiedene Lagen oder auf verschiedenen Saiten verschoben werden können.

5. Ergebnisse des ersten Unterrichtsjahres

vokale Fähigkeiten: Die Kinder haben 34 Lieder singen gelernt. Diese Lieder wurden beim Einsingen und in der Singstunde konsequent in verschiedenen Tönhöhen gesungen und solmisiert (relative Solmisation). Die Singfähigkeit wurde verbessert.

mentale Fähigkeiten: Die Kinder haben eine Orientierung auf der Gitarre erhalten sowohl über die Saiten als auch die Lagen. Eine Spielaufforderung wie z. B. 1. Saite, 4. Lage, große Brücke wird von allen Kindern umgesetzt. Die Kinder gehen mit Begriffen wie "Melodie" und "Begleitung" richtig um

musikalische Fähigkeiten: Viele Kinder haben sich im Laufe des Schuljahres rhythmisch-metrisch stabilisiert. Sie können mit zweiteiligen Notenwerten (Viertel und Achtel) umgehen. Das Gefühl für "schwere" Taktzeiten wurde durch Bordunarrangements geschult.
Die Gruppe ist in der Lage Arrangements bis zu drei Stimmen zu musizieren.
accel. / rit. sowie dynamische Veränderungen werden musikalisch sinnvoll eingebracht.

instrumentale Fähigkeiten

der linken Hand:
Durch das Spielen mit "Brückengriffen" (1-3 kleine Br., 1-4 große Brücke) wurde die Mittelstellung der linken Hand gefördert. Gegen Ende des Schuljahres wurde die "Doppelbrücke" eingeführt (1 3 4 in der linken Hand).

der rechten Hand:
Neben dem Daumenanschlag gelingt klangschönes Spiel mit dem apoyando Anschlag i m in der rechten Hand.
Der Ringfinger der rechten Hand wurde im apoyando Anschlag m a als Treppenübung verwendet.
Der Saitenwechsel im Lied wurde kurz vor den Sommerferien thematisiert und in einem Lied angewendet.
Die Kinder können mit 2 verschiedenen Anschlagsregistern umgehen.

Im Laufe des Jahres wurde der Unterricht von allen regelmäßig und mit einer außergewöhnliche niedrigen Fehlquote besucht.
Die Klasse bleibt i. d. R. im zweiten Jahr zusammen, der Lehrplan ist über 3 Jahre konzipiert.

Leitgedanke

Die Tatsache, dass das Eintrittsalter der Instrumentalanfänger immer jünger, die technischen und musikalischen Schwierigkeiten ähnlich bleiben, veranlaßte uns, nach einer adäquaten Unterrichtsform zu suchen für 6-8jährige Kinder, die entweder aus den Elementarfächern der Musikschule kommen, oder für die sich mit dem Eintritt in die Grundschule die Frage nach Instrumentalunterricht stellt.

Adäquatheit heißt in diesem Fall Rücksichtnahme auf folgende Tatsachen:

- Absolventen der Elementarfächer sind eine große Gruppe und eine relativ lange, flexibel gestaltete Unterrichtseinheit gewohnt,
- beste Voraussetzung für das instrumentale Musizieren ist die innere Vorstellung der Musik,
- eine probate Methode für das schnelle und sichere vokale Erlernen von Melodien stellt die Solmisation dar,
- die Häufigkeit des Musikschulbesuchs hat unmittelbaren positiven Einfluß auf den Lernfortschritt,
- die meisten Schüler können mit 6 Jahren nicht fließend schreiben und lesen.

Ziele

Schulung der Klangvorstellung mit angemessenen auswendig gespielten Liedern
Orientierung über das ganze Griffbrett auf der Gitarre
Kammermusikfähigkeit durch Gruppenarrangements
hohe Unterrichtsverbindlichkeit durch Anwesenheit der Eltern

Pädagogisches Profil

Zeitaspekte

  • Mehrjährige (Langzeit-)Massnahme

Orientierungsangebote

  • EMP im Anfangsinstrumentalunterricht
  • Klassenmusizieren mit Zupf- / Tasteninstrumenten

Details zur Umsetzung

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Kommentare

  • Das ist ein hoch interessanter Beitrag. Endlich ein Kollege, der in Großgruppen auch mit Solmisation arbeitet. Stark interessieren würde mich das Aussehen von einem Ensemble-Arrangement.
    Mit manchen Abkürzungen im Text: z.B. Wechselschlagübung im,ma (5-8 Min.) - komme ich nicht ganz zurecht.

    Erstellt von Stefan Pontz, 02.05.2012 (vor 5 Jahre)

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